Die Geschichte von Chor Unerhört

 

Chor Unerhört entstand 1981, als einige Studenten der Uni Köln in der Domstraße den Geburtstag von Uli Burger feierten und dabei ein Lied nach dem anderen sangen. Sie beschlossen, auch außerhalb von Geburtstagsfeiern zusammen zu singen und trafen sich bald Montagabends zu wöchentlichen Proben in der Alten Feuerwache, einem selbstverwalteten Kulturzentrum im Kölner Agnesviertel. Der Musikstudent Uli leitete die Proben, brachte auch mehrstimmige Lieder mit, so dass der kleine Singkreis bald ein festes und buntes Repertoire von Liedern hatte, das er auch ab und zu in der Öffentlichkeit vorstellte.

 

Was noch fehlte, war ein pfiffiger Name. Auf einer Chorfahrt in der Eifel wurden Namensvorschläge ausgetauscht und geprüft, als Sopranistin Vera die zündende Idee hatte: Unerhört! Das klang geheimnisvoll, zweideutig, unkonventionell, ein bisschen nach Untergrund und Undercover, nach Tabubruch, war frech und Understatement zugleich - einfach unerhört! Es passte wunderbar in die Zeit damals und war immer ein Name, der Nachfragen und Aufmerksamkeit provozierte. Die Frage war jetzt nur: Würde Unerhört ewig unerhört bleiben?

 

Mit dem schönen neuen Namen im Gepäck ging es jetzt stetig aufwärts, die Mitgliederzahl wuchs, man trat bei Dritte-Welt-Festen, Demonstrationen und Kulturfesten auf mit einer Mischung aus Folklore und politischen Liedern, da trafen Harry Belafonte, Hannes Wader, Carl Orff, John Lennon, die Mamas & Papas und Hanns Eisler aufeinander. Eine kleine verschworene Gemeinschaft, die sich im Hinterzimmer der selbstverwalteten Kneipe traf und alles sang, was Uli mitbrachte. Leider hatte Uli dann im Referendariat nur noch wenig Zeit  für seinen Chor und Umzugspläne nach Berlin, so dass man nach einem Ersatz Ausschau hielt.

 

Zum Jahreswechsel 1984/85 fand der Chorleiterwechsel statt: Eddi Kühn, frischgebackener Musiklehrer, damals noch ohne Stelle, übernahm Ulis Posten „auf Probe“ und wurde bis heute nicht abgewählt. Mit Eddi verschoben sich die musikalischen Schwerpunkte zunächst einmal Richtung Süden: südamerikanische und südafrikanische Lieder kamen neu ins Programm und so hieß denn auch das erste Konzertprogramm im Feez, einer Kneipe in Köln-Nippes: Lieder des Südens. Dazu kamen Jazz, Pop, ab und zu Klassik und Moderne und immer mehr eigene Chorsätze, die dem Chor auf den Leib geschrieben wurden. Eine Spezialität des Chores wurden eigene Vertonungen von Gedichten Bert Brechts und Heinrich Heines.

Nach anfänglichem Mitgliederschwund, der mit dem Chorleiterwechsel einherging, wuchs der Chor ab Sommer 1985 stetig, so dass man schon zwei Jahre später bei 40 Chormitgliedern einen Aufnahmestopp und eine Warteliste einführte, gleichzeitig suchte man einen neuen, größeren Proberaum, um die Massen unterzubringen. Aus dem locker-unverbindlichen Singkreis der frühen Jahre war endgültig ein stabiler Chor geworden, der von Dellapiccola, Manhattan Transfer, John Dowland, Wolf Biermann, Insterburg & Co., Paul Hindemith bis hin zum Dschungelbuch- und Beatles-Medley vor nichts und niemandem zurückschreckte und sich unermüdlich durch verschiedenartige und unartige Stilrichtungen und Sprachen kämpfte.

 

Dazu kam ein wachsender Einfluss von Choreographien: der Chor übte nicht nur seine Stimme, sondern auch sein Auftreten. Präsenz, Bewegungen, Chorbilder, kleine Chorszenen wurden einstudiert, die dem akustischen Erlebnis auch einen optischen Genuss an die Seite stellten. Ziel war ein Chor in Bewegung, bei dem Singen und Präsentieren zu einer Einheit wird. Seinen Höhepunkt fand das in szenischen Darbietungen wie dem „Zipferlak“ und Frank Zappas „Sofa Nr.4“, das Chor Unerhört von seinem Berliner Partnerchor „Die Taktlosen“ übernahm. Seit 1992 existiert eine enge Chorfreundschaft mit unzähligen Kontakten und Begegnungen zwischen Berlin und Köln bis hin zu gemeinsamen Konzerten.

 

Ein Markenzeichen des Chores wurden die Themenkonzerte, die mit viel Begeisterung vorbereitet, aufgeführt und vom Publikum gefeiert wurden: Nach den Liedern des Südens 1986 folgten 1988 die Liebeslieder, 1990 Chor Unerhört singt tierisch. Dann folgten nach dem Chorjubiläum Zehn Jahre Unerhört und kein bisschen leiser 1991 im neugebauten Konzertsaal der Alten Feuerwache 1994 die Nachtlieder, 1996 die Lieder aus der Fremde, 1998 die Unerhörte Begegnung der taktlosen Art mit Konzerten in Köln und in der Berliner Akademie der Künste, 1999 die Geschichten die das Leben schrieb, 2002 Große Augenblicke und kleine Ewigkeiten im Zirkuszelt und 2004 das Konzert für Unicef im Kölner Rathaus zusammen mit Bläck Fööss und OdeCologne.

Das für 2005 geplante Programm Drunter & Drüber wurde leider hauptsächlich chorintern aufgeführt und führte zu heftigen Turbulenzen im Chor. Nach dem Neustart wurde 2007 das Konzert für Haiti im Stollwerck aufgeführt, 2008 zusammen mit den Berliner Taktlosen die Lieder über und unter Wasser in der Kölner Musikhochschule, ebenfalls dort 2009 das Programm Von Irland bis zum Nabel der Welt mit der Folkgruppe Morris Open. 2011 wurde das 30-jährige Chorjubiläum in der neuen Comedia Colonia gefeiert. Unerhört möchte weiterhin unerhört, aber nicht ungehört bleiben ...